Die häufigsten Fragen zur Blattjagd

Klaus Weisskirchen antwortet

Die Blattjagd ist eine Wissenschaft. Neben guter Ausrüstung und Erfahrung bestimmt auch die richtige Strategie den Erfolg. Auf meinen Seminaren und bei anderen Gelegenheiten werden mir viele Fragen zur Blattjagd gestellt. Die häufigsten möchte ich hier beantworten.

Was ist der beste Zeitpunkt für die Blattjagd?

Der beste Zeitpunkt für’s Blatten ist nach meiner Erfahrung zum Ausklang der Brunft (circa 8 Tage nach der Hauptbrunft). Warum? Nun, zu Beginn der Brunft springen oft nur junge Böcke.

Während der Brunft sollte man der Natur ihren freien Lauf lassen.

Vom sechsten bis dreizehnten August blatte ich am Erfolgreichsten. Im Flachland ein paar Tage früher, in Mittelgebirgszonen verschiebt sich das Datum einige Tage nach hinten.

Eine alte Weisheit sagt- und das trifft auch heute noch zu:

„Wenn die Ricken wieder bei den Kitzen stehen, dann ist die beste Zeit.“

Was ist die beste Tageszeit für die Blattjagd?

Zwischen halb acht und neun Uhr, in der Mittagszeit und am frühen Abend vs. späten Nachmittag. Mein Blattjagd-Tipp: Ich nutze den Nässerythmus aus, da der Bock auf den Läufen ist und schneller springt.

Was ist das beste Wetter für die Blattjagd?

Da der richtige Zeitpunkt kalendarisch eingeschränkt ist, muss man das Wetter nehmen, wie es ist. Negativ wirken sich nasskalte und stürmische Tage aus. Eine anhaltende Gluthitze mit längerer Trockenheit ist auch nicht erfolgversprechend.

Zur Blattjagd besser in den Wald oder ins Feld?

Der Bock springt lieber vom Hellen ins Dunkle. Es ist leichter, ihn vom Feld in den Wald zu locken als umgekehrt. Ausnahmen gibt es immer. Wenn kein Wald vorhanden ist, blattet man in der Nähe von Mais- oder Getreideschlägen.

Zur Blattjagd besser Kitzfiep oder Angstgeschrei?

Das Geschlechterverhältnis beim Rehwild ist oft 1:3 oder noch schlechter. Mein Blattjagd-Tipp: Mit dem Angstgeschrei erreicht man mehr, als mit dem normalen Fiep. Der Kitzangstfiep ist aus jagdethischen Gründen nur in brenzligen Situationen einzusetzen. Es besteht die Gefahr, dass die Ricke (oft mit Bock) sehr schnell bis auf kurze Entfernung zusteht, den Schwindel mitbekommt und mit lautem Schrecken abspringt.

Sollte zur Blattjagd besser ein Erdsitz oder eine hohe Kanzel genutzt werden?

Ideal ist ein Erdsitz oder eine halbhohe Leiter, wenn es die Bodenbeschaffenheit erlaubt (Kugelfang). Wenn aber nur eine Kanzel zur Verfügung steht, dann den Kopf weit aus dem Fenster raus und die Töne nach unten – Richtung Boden ausstoßen.

Wie lange Ruhe nach Beziehen des Blattstandes, bevor die Musik beginnt?

Wenn sich die Vögel, vor allem der Zaunkönig und der Kleiber beruhigt haben, kann man ein paar Minuten später mit dem Blatten beginnen.

Nach wie vielen Minuten sollte man zum nächsten Blattstand wechseln?

Rührt sich nichts und Zaunkönig und Co. kündigen kein annähern von Wild an, kann man nach fünfzehn Minuten den Stand verlassen. Mein Blattjagd-Tipp: Wurde mit dem Sprengfiep gearbeitet, sollte man eine halbe Stunde am Blattstand verweilen.

Sollte nach dem Erlegen eines passenden Jährlings weitergeblattet werden?

Es könnte weiter geblattet werden, sollte man aber nicht, wegen der Wildbret-Hygiene. Die Blattzeit fällt in die Sommermonate. Vor allem an heißen Tagen geht die Wildversorgung vor.

Ein Blattjagd-Geheimtipp zum Schluss

Wer mit Sprengfiep, Angstgeschrei oder Eifersuchtsgeschrei – das ist ein länger anhaltender und vibrierender Angstruf – arbeitet, sollte unbedingt heftige Fluchtgeräusche mittels eines kleinen Astes imitieren.

Mein Blattjagd-Tipp: Wenn man eine Leiter besteigen muss, nimmt man sich einen Zweig mit Blättern mit und schlägt ihn an die Leiterholme. Die Geräusche müssen unbedingt zeitgleich mit den Blatttönen erzeugt werden.

Auch Keuchgeräusche, tief aus der Brust, wirken oft Wunder. Aber Vorsicht, dass dabei kein Hustenreiz entsteht.

Lerne die Stimmen der Tiere, dann bist du der Herr in deinem Reviere.

Ihr Klaus Weisskirchen

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